CODEX ATHEOS -
Die Kraft des Atheismus




 

 

 

 

Das immer noch aktuelle Buch
von Dr. theol. Paul Schulz

ISBN: 3-935519-15-x
Erscheinungsjahr:
Oktober 2006 (2. Auflage Juli 2007)

 

Durch die Loslösung von Gott als der höchsten religiösen Autorität setzt sich der Mensch frei von größtmöglicher Fremdbestimmung. Indem er sich herausnimmt aus der göttlichen Bevormundung, entwickelt er sich zu einem sich selbst bestimmenden und verantwortenden Individuum. Er wird ein autonomer Mensch. 

Ein radikales Kontra zur herrschenden Religionshysterie

Mit seinem Buch CODEX ATHEOS – Die Kraft des Atheismus  greift Schulz jetzt noch einmal ein in die aktuelle Debatte um die Kernfragen “Mensch und Gott”, “Gesellschaft und Religion”, “Geist und Materie”. Sein atheistischer Ansatz reisst in vielen Fragen neue Perspektiven auf, macht tiefere Zusammenhänge sichtbar und führt immer wieder zu überraschenden, oft positiv befreienden Antworten.

 

Leseprobe:

Ich könnte mir eine Gesellschaft der Atheisten vorstellen …

Mit dieser These erschütterte 1697 Pierre Bayle das damalige christliche Abendland. Ein entsetzter Aufschrei begegnete ihm: Atheisten! Diesem Aufschrei folgte der Zusammenbruch der geistigen Bevormundung durch die Kirchen, die Aufklärung und mit ihr die Freisetzung des autonomen Individuums.

Doch auch heute noch – über dreihundert Jahre später – schockt diese Aussage unsere bürgerliche Gesellschaft. Zwar hat das Denken ohne Gott unsere Welt von Grund auf verändert. Wir leben positiv von den Errungenschaften unserer säkularen Zivilisation. Der Mensch ist frei zu glauben oder nicht zu glauben, was er will.

Dennoch: Wenn ich sage, ich bin Atheist, dann sieht mir mein Gegenüber mit hochgezogenen Augenbrauen ins Gesicht, als suche er darin nach einer Verletzung: Wirklich Atheist? Wirklich Atheist.

Der Begriff “Atheist“ ist seit 2500 Jahren als Waffe eingesetzt worden zur Diffamierung aller, die ohne Gott denken und leben. Es war der so ehrenwerte Philosoph Platon, der Menschen ohne Gott wie Verbrecher jagte. Er plante sogar eine Art KZ für sie, in dem sie per Gehirn-wäsche für Staat und Gesellschaft tauglich gemacht werden sollten. Jeder der seinen verehrungswürdigen Platon liebt, echauffiert sich heute noch: Atheisten! Vaterlandslose Gesellen ohne Verantwortung und Moral! Die sollen gesellschaftsfähig sein?

Meine Freunde nahmen mich zur Seite und fragten mich vorsichtig: Musst du dein Buch unbedingt mit Atheismus betiteln? Die Kraft des Atheismus ?Das könntest du doch sicher anders umschreiben.

Kann ich nicht. Es geht um etwas Außergewöhnliches. Um die persönliche Kaft, die darin liegt, nicht an Gott zu glauben, um die geistige Stärke, ohne Gott zu denken und zu leben. Eben um a – theistisch – ganz und gar ohne Gott.

Eins ist an der Kritik allerdings richtig. Der politische Atheismus hat in der jüngsten Vergangenheit in verheerender Weise seine Unschuld verloren. Aus der Religionskritik von Karl Marx mit dem Ziel der Veränderung der Gesellschaft zugunsten der verelendeten Massen wurde ein generelles Religionsverbot, eine brutale Waffe kommunistischer Gewaltherrschaft vor allem gegen den einzelnen Menschen. Ein Zwang, mit dem für den Menschen nicht nur das Grundrecht auf Religionsfreiheit vernichtet wurde, sondern auch sein innerer Selbstschutz, an Gott glauben zu können.

Das ist so. Wir werden es nicht wegdiskutieren.

Denn hiermit ist nicht nur dem Menschen größter Schaden zugefügt worden, sondern auch dem Atheismus selbst. Weltweit hat er als Kollaborateur der kommunistischen Ideologie und Politpraxis dramatisch an Glaubwürdigkeit verloren.

Es ist an der Zeit, die Frage nach dem Atheismus ganz neu zu stellen: Ist der Atheismus aus sich heraus totalitär angelegt? Hat er ursächlich mit Gewaltanwendung zu tun? Ist er eher eine Bedrohung für den Menschen?

Um diese Fragen bemühen wir uns in unserem Buch ganz besonders. Von vielen Seiten her zeigen wir die geistigen Quellen auf, aus denen das Denken ohne Gott entstanden ist, die Elemente, die seine Wesensart bestimmen. Vor diesem Hintergrund entdecken wir in der europäischen Geistesgeschichte die völlig überraschenden Grundelemente des Atheismus:

- Der Atheismus ist in jener Denkfreiheit des Individuums entstanden, in der auch die Demokratie geschaffen worden ist.

- Der Atheismus hat immer eine ganz enge Verbindung zum Humanismus gehabt, gerade da, wo Religion nicht ausreichte, um eine
letztgültige Ethik und Moral zu begründen.

- Der Atheismus gründet im persönlichen Denken des Einzelnen und damit in einem komplizierten Selbsterkenntnisprozess mit vielen Loslösungen von Überkommenem. Diese innere Entwicklung ist eher leise und Anlass nicht zum Rechthaben, sondern immer wieder zum Dialog.

Die Vernunft ist in allem, was der Mensch ohne Gott denkt und tut, die wesentliche Steuerungskraft, ein Bewusstsein also, in dem der Mensch sein Leben verantwortlich ausrichtet. Das muss der Mensch. Das kann der Mensch.

Der Mensch kann aus seiner Vernunft heraus viel mehr, als ihm immer eingeredet worden ist. Er kann sich selbst verantworten. Er kann lieben und geliebt werden. Er kann das Leben für sich und mit den anderen voll und sinnvoll leben. Er kann ordentlich zupacken und arbeiten. Er kann aufopfernd für den anderen da sein. Er kann sich freuen und glücklich sein. Er kann “ auch mal fünfe grade sein lassen “ . Er kann mit Anstand Abschied nehmen. Er kann bewusst und human sterben. Der Mensch ist mit seiner Vernunft offen und befähigt für alle Lebenslagen.

Er muss sich nur deutlich durchsetzen gegen die, die ihm sein Denken und Leben ohne Gott ausreden wollen, die ihn deshalb diffamieren, gar “ unschädlich “ machen wollen.

Ihnen gilt unser Widerstand!

Deshalb dieses Buch.

Es soll helfen, die atheistische Überzeugung besser zu verstehen und selbstbewusster dafür einzutreten. Es soll die geistige Freiheit sichtbar machen, die in einem Denken und Leben ohne Gott liegt.

 

CODEX ATHEOS - Die Kraft des Atheismus
7 Leitlinien für ein Leben ohne Gott 

  Der Atheismus ist eine fantastische Leistung des denkenden Menschen, denn

  1. In seinem Denken ohne Gott befreit sich der Mensch mit letzter Konsequenz aus einer wie auch immer behaupteten transzendenten Welt. Der Mensch erreicht damit ein Bewusstsein, mit dem er ganz im Diesseitigen steht. 
     
  2. Mit einem Diesseits ohne Gott löst sich der Mensch aus allen religiösen Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, auch von der Furcht vor einem Weltgericht Gottes über die Menschen am Ende der Welt. Er anerkennt den Tod als den ganz natürlichen Abschluss des menschlichen Lebens. Das Leben vor dem Tod wird dadurch zur einzigen Realität einer individuellen Existenz. 
     
  3. Durch die Loslösung von Gott als der höchsten religiösen Autorität setzt sich der Mensch zugleich frei von der größtmöglichen Fremdbestimmung. Indem er sich herausnimmt aus göttlicher Bevormundung, entwickelt er sich zu einem sich selbst bestimmenden und verantwortenden Individuum. 
     
  4. Ohne göttliche Fremdbestimmung hebt der Mensch die Letztgültigkeit aller religiösen Begründungen, Gebote, Kontrollen, Sinngebungen, Versprechungen auf. In dem Maße, in dem für ihn göttliche Direktiven keine Gültigkeit mehr haben, wird ihm das Leben fassbar als eine völlig auf sich selbst gestellte Existenz. Der Mensch lernt, in größtmöglicher Eigenverantwortung zu denken und als autonomer Mensch zu leben. 
     
  5. Mit einem Selbstverständnis, in dem Gott keine Bedeutung hat, nimmt der Mensch das Leben in seiner radikalsten Herausforderung an. Er begreift, dass ein Sinn des Lebens nicht von einer göttlichen Instanz gesetzt ist, sondern dass alle Sinngebung, alle – auch religiösen – Werte, Gebote, Gesetze vom Menschen selber gemacht sind. Sinn seines Daseins gibt es für den Menschen nur, wenn der Mensch selbstverantwortlich solche Wertsetzungen schafft und umsetzt, die individuell und generell Lebenssinn ermöglichen. 
     
  6. Mit ” atheistischer Selbstverantwortung” anerkennt der Mensch das Leben als eine humane Herausforderung. Leben, das vom Menschen nicht positiv gelebt wird, geht ersatzlos verloren. Für Verelendung, Ungerechtigkeit, Benachteiligung, Entbehrung und Leiden gibt es keinen himmlischen Ausgleich. Ein von einem Atheisten selbst verantworteter persönlicher Lebensentwurf hat deshalb zum Ziel, alles aus dem irdischen Leben herauszuholen, was dem Menschen lebenswert erscheint. 
     
  7. Mit ” atheistischer Weltverantwortung” weiß sich der Mensch in die Pflicht genommen, angesichts vielfachen Scheiterns seine ganze Kraft einzusetzen gegen generelle Verelendung, Ungerechtigkeit, Benachteiligung, Entbehrung und Leiden des Menschen. Den Menschen hilft dabei kein Gott. Den Menschen helfen nur verantwortungsbewusst handelnde Menschen.

  Die höchste Verantwortungsform des Atheismus ist deshalb eine
  größtmögliche Humanität.
 

Inhaltsangabe: 

1.1. Grundlegung
des abendländischen Atheismus

im säkularen Vernunftdenken
der griechischen Antike

 
1.2. Kritik der christlichen Zeitrechnung

Zur Geschichte
der säkularen Rationalität
im Abendland

 
2.1. Die heidnisch-antike Humanität
in der Wiederentdeckung

durch Francesco Petrarca,
dem “Vater des Humanismus”

 
2.2. Jesus von Nazareth
- eine atheistische Ethik?

Grundzüge
einer utilitaristischen Humanität

 
3.1. Der Verrat der christlichen Kirche
an der säkularen Welt

am Beispiel Martin Luthers

 
3.2. “Christliche Wertegemeinschaft?”

Die Geschichtslüge
der Christlich-Konservativen heute

 
4.1. Die Aufdeckung der Religion
als Projektion des Menschen

durch Ludwig Feuerbach

 
4.2. Geist zu Materie
oder Materie zu Geist?

Die elementare Frage des Seins

 
5.1. Der säkulare,
demokratisch-verfasste Staat.

Menschenrechte
contra Gottesrecht

 
5.2. Das Versagen
des politischen Atheismus
im 20. Jahrhundert

und seine Neubestimmung