Theologiegeschichtliches Seminar
Große theologische Denker des Abendlandes.

Neun berühmte Theologen
zu Grundfragen der Religion. Im Pro und Kontra

Neue Gedanken großer Theologen haben in der Ideengeschichte des Abendlandes immer wieder große Wirkung gehabt und ganz neue Entwicklungen eingeleitet. Meistens sind solche theologischen Theorien aus aktuellen Problemen ihrer Zeit heraus entstanden, oft in dramatischen Auseinandersetzungen mit anderen Theologen, bis sich dann schließlich die eine ultimative Position durchgesetzt hat.

Schon immer also sind theologische Vorstellungen gerade auch in der Phase ihrer Entstehung heiß umkämpft worden, denn es gab immer genügend Theologen mit schwergewichtigen Gegenmeinungen. Hatte sich dann die eine Meinung als Mehrheitsentscheid durchgesetzt, wurden die anders denkenden Theologen dann meist verketzert, ausgeschlossen oder gar umgebracht. Die neue durchgesetzte Meinung wurde dann als göttliche Wahrheit, als Dogma verabsolutiert und damit unanfechtbar.

Heute wird die Theologie nicht nur im Einzelnen, sondern insgesamt in ihrer göttlichen Letztgültigkeit in Frage gestellt. Sie muss sich gegen eine rationale Welt behaupten, in der sie keine prinzipielle Gültigkeit mehr besitzt. Dennoch haben die alten theologischen Theorien bei vielen Menschen bis in höchsten säkularen Ämter immer noch fundamentale Wirkung. Sie sind keineswegs einfach weg, selbst wenn sie nicht ständig benannt werden. Dieses theologische Ideensystem bildet auch heute in Gesellschaft und Politik, aber auch um Privaten und Persönlichen ein fundamentales religiöses Bewusstsein.

Dieses Seminar gibt Ihnen einen sachlich-neutralen Einblick in die Theologie. Sie können dazu alle Ihre Fragen stellen und mit diskutieren. Ganz sicher spannende Gespräche.

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1]  Donnerstag, 19. Sept. 2013 · 15 – 16.30 Uhr
Paulus (nach 0 bis 64):   >Gerechtigkeit Gottes<

Für den Apostel Paulus war die zentrale Frage: Was bedeutet Gott ist ein gerechter Gott? Mit seiner Antwort darauf geriet er in harte Auseinandersetzung mit den jüdischen Theologen in Jerusalem, für die der gerechte Gott ein zorniger, strafender Gott war. Paulus behauptete dagegen: Gottes Gerechtigkeit ist Gottes Gnade. Damit hob Paulus die gesamte alttestamentliche Gerechtigkeitstheologie des Judentums radikal auf. Noch mehr: Mit seiner Frohen Botschaft des gnädigen Gottes begründete er die christliche Religion und Kirche weltweit bis heute.

2]  Donnerstag, 26. Sept. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Augustin (354 bis 430):   >Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil<

410 eroberten die Westgoten die Hauptstadt Rom. Ein Schock für die damalige antike Welt. Die alten Römer behaupteten, an diesem Niedergang Roms seien die Christen mit ihrem neuen Gott schuld. Dagegen schrieb der große Kirchenvater Augustin seine berühmte Verteidigungsschrift des Christentums De civitate Dei – Der Gottesstaat: Da wo Kirche ist, ist Gott; da wo Gott ist, ist Kirche. Außerhalb der Kirche gibt es nichts Göttlich-Gutes. 1500 Jahre bis heute hat die Welt gebraucht, um sich von diesem totalen Machtanspruch der katholischen Kirche zu befreien.

3] Donnerstag, 03. Okt. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Papst Gregor I (540 bis 604):
>Der Papst in Rom ist der Stellvertreter Gottes auf Erden<.

Gregor I war der erste bedeutende Papst in Rom. Der römische Kaiser war vor den Germanen aus Rom nach Konstantinopel geflogen. So wurde in Rom der christliche Bischof die höchste moralische und gesellschaftliche Autorität. Aus dieser historischen Situation heraus entwickelte sich der Universalanspruch des römischen Bischofs zum Papst – bis heute. Steht der Papst auch in Europa im Feuer der Kritik, so jubeln ihm in der neuen Welt – zuletzt Millionen Jugendlicher in Brasilien – begeistert zu. 

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4]  Donnerstag, 17. Okt. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Thomas von Aquino (1225 bis 1274):   >Glaube oder Vernunft?<

Die Kreuzzüge des Mittelalters, die das Heilige Land von den islamischen Arabern zurückerobern sollten, bewirkten in Europa einen riesigen Kulturschub. Wiederentdeckt wurde von dort auch der große heidnisch-antike Vernunftphilosoph Aristoteles. Mit ihm stand im Abendland plötzlich die “blanke Vernunft“ gegen den christlichen Glauben. Eine theologische Revolution. Die Kirche schickte den jungen Theologen Thomas an die Pariser Sorbonne, um Aristoteles zu bekämpfen. Thomas modernisierte vernunftgemäß die katholische Dogmatik. Trotzdem siegte die säkulare Vernunft. 

5]  Donnerstag, 24. Okt. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
 Martin Luther (1483 bis 1546):   >Solus Deus. Allein Gottes Gnade gilt<  

Luther gründete in seinem Glauben auf Paulus und Augustin. Er war ein  erklärter Anti-Aristoteliker. Die menschliche Vernunft galt ihm nichts. Für ihn galt nur sein frommer christlicher Glaube. Im Mittelpunkt dieses Glaubens steht sein Bekenntnis:  Solus deus – allein Gott, der Allmächtige, der Allwissende. der Allgegenwärtig. Allein seiner Gnade verdankt der Mensch sein Leben, auch sein Leben nach dem Tod. Mit diesem Bekenntnis erzwang Luther gegen den Papst in Rom die Reformation der (katholischen) Kirche – und hat dabei die Vernunftwelt aus dem Blick verloren.

6]  Donnerstag, 31. Okt. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Ignatius von Loyola (1491 bis-1556):  >Glaube ist radikaler Gehorsam< 

Ein spanischer Ritter, der sich im Kadavergehorsam Gott und dem Papst verschrieben hatte.  Denn wenn Gott die allerhöchste Autorität ist und der Papst auf Erden sein Vertreter,  dann hat sich ihnen der Mensch als deren Gefolgsmann im bedingungslosen Gehorsam zu ergeben. Er gründete den Jesuitenorden und schulte dort den menschlichen Verstand als schärfste geistige Waffe zur Verteidigung des katholischen Glaubens. So bekämpfte er in der Gegenreformation brutal die protestantische Reformation. Noch heute lassen sich Jesuiten im Meinungsstreit nur schwer widerlegen.

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7]  Donnerstag, 14. Nov. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Ludwig Feuerbach (1804 bis 1872):  >Gott ist Projektion des Menschen<

Mit ihm beginnt in der modernen rationalen  Zeit der Umsturz der Religion. In seinem berühmten Buch Vom Wesen des Christentums (1841) löst er die Revolution der Religionskritik aus: Nicht Gott hat den Menschen geschaffen, der Mensch hat Gott geschaffen. Gott ist nichts anderes als die Wesenhaftigkeit des Menschen. Der Mensch ist dem Menschen Gott. Karl Marx formulierte nach Feuerbach seine These Religion ist Opium des Volkes. Moderner Atheismus ist ohne Ludwig Feuerbachs religionskritischen Ansatz undenkbar. 

8]  Donnerstag, 21. Nov. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Rudolf Bultmann (1884-1976): >Die Bibel unterliegt der historisch-kritischen Forschung<

Seine wissenschaftliche Erforschung der synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas im Neuen Testament haben eine epochale Neubewertung der Evangelienquellen und damit der urgemeindlichen Überlieferungsgeschichte erbracht. Jeder evangelische Pastor muss diese in seinem Theologiestudium lernen. Dabei ist ausschließlich das historisch, was sich wissenschaftlich als historisch verifizieren lässt. Ein kleines Beispiel: Jesus ist nicht in Bethlehem geboren. Obwohl Pastoren es durch ihr Studium besser wissen, predigen viele immer erneut Weihnachten gegen diese historische Tatsache an. 

9]  Donnerstag, 28. Nov. 2013  · 15 – 16.30 Uhr
Teilhard de Chardin (1881-1955):   >Schöpfung Gottes ist Evolution< 

Er war der erste (katholische) Theologe, der sich mit der Schöpfung Gottes intensiv von der Naturwissenschaft her beschäftigt hat. Er hat Darwins Evolutionstheorie  anerkannt und sie in seinen Büchern Die Entstehung des Menschen und Der Mensch im Kosmos weiter entwickelt. Aus dem Evolutionsgedanken heraus hat er konträr zur katholische Dogmatik Gott neu definiert: Gott ist nicht hinten in der Vergangenheit, Gott ist vorn in der Zukunft, auf die Evolution der Natur unaufhaltsam zuläuft.  Eine völlig neue naturwissenschaftliche Dimension der Gottesvorstellung.

 

Ein Seminar von und mit Dr. Paul Schulz 
in der neuen Räucherkate Volksdorf.
Auch gerne für Nicht-Senioren !!

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